
Nach zehn erfolgreichen Spielzeiten in der Oberliga Nord ist der niederländische Eishockeyverein Tilburg Trappers in den deutschen Eishallen eine bekannte Größe. Seit 1998 tragen die Trappers ihre Heimspiele im IJssportcentrum Stappegoor aus, das in deutschen Medien auch mal „Tilburger Techno-Halle“ oder „Tilburger Partytempel“ genannt wird. Eine Halle mit einem gewissen Ruf also. Unser Stadion-Check findet heraus, worauf dieser Ruf beruht.
Der größte niederländische Eishockeyverein in der deutschen Oberliga? Was überraschend klingt, hat eine lange Vorgeschichte. Durch die 87-jährige Historie der Tilburg Trappers ziehen sich Kontakte nach Deutschland und zu deutschen Eishockeyvereinen wie ein roter Faden.
Zunächst aber zum Namen Trappers: Der wird so ausgesprochen, wie man es im Deutschen und nicht im Englischen macht. Denn er hat weder etwas mit den nordamerikanischen Trappern für den Pelzhandel zu tun noch mit dem „kanadisch geprägten Spielteil“, wie deutsche Journalisten gern schreiben. 1965 wurde „Trappers“ dem damaligen Namen Tilburgse IJssportclub (T.IJ.S.C.) hinzugefügt. Grund war das örtliche Trappisten-Kloster, das den Verein mit mehreren tausend Gulden sponserte. Dort wird nicht nur gebetet, das Kloster ist eine von nur zehn Trappistenbier-Brauereien der Welt. Unter der Leitung eines Mönchs werden die bekannten Bierspezialitäten „La Trappe“ gebraut. Man kann einen Besuch an IJssportcentrum Stappegoor also wunderbar mit einem Besuch im Verkostungsraum des Klosters verbinden.
Die Tilburg Trappers haben aber nicht immer im Stappegoor gespielt. 1938 gegründet und nach dem H.H.IJ.C. aus Den Haag und dem A.H.IJ.C. aus Amsterdam der dritte niederländische Eishockeyverein, trug der Klub seine ersten Spiele auf einer Eisbahn in der Elzenstraat in Tilburg aus, die von einem Schlachthof errichtet worden war. Tilburg war damals eine Industriestadt mit zusammengewachsenen Weilern und Dörfern, bekannt für seine Textilindustrie. Da kommt auch der Spitzname der Tilburger her: die Kruikenzeikers, die, nun ja, Krugpisser. Die Einwohner bewahrten ihren Urin nämlich in Krügen auf, der dann in den Textilfabriken zum Wollewaschen verwendet wurde. Eine weitere Erinnerung an die Textilindustrie ist „Schrobbelèr“, ein Gewürzlikör, der nach dem Arbeiter benannt ist, der die Wolle vor dem Spinnen entwirrt. Mit Urin hat das glücklicherweise also nichts zu tun.
Zurück zum Eishockey, das in Tilburg immer international war. Von Anfang an spielten die Tilburger gegen deutsche Vereine – bis zum Einmarsch der Nazis am 10. Mai 1940. Der Überfall der deutschen Wehrmacht ist auch der Grund, warum der Verein seit 1946 das Hirschgeweih als Vereinslogo hat. Eine Hommage an das schottische Bataillon 7th Seaford Highlanders, das als Teil der 15. schottischen Division am 27. Oktober 1944 Tilburg von den Nazis befreite. Obwohl der damalige Präsident des T.IJ.S.C. und vier weitere Vereinsmitglieder von den Nazis hingerichtet wurden oder in einem Konzentrationslager starben, fand am 3. Februar 1951 das erste Nachkriegsspiel zwischen einer niederländischen und einer deutschen Sportmannschaft auf niederländischem Boden auf Tilburger Eis statt. 3000 Zuschauer sahen, wie die Tilburger 2:6 gegen die Düsseldorfer EG verloren.
Das alte Stadion wurde 1952 leider geschlossen. Erst 1964 feierten die Tilburger ihr Comeback im nationalen Eishockeywettbewerb. Zunächst auf einer Freilufteisbahn an der Theresiastraat, ab 1969 dann in der neuen Pellikaan-Halle, benannt nach dem Vorsitzenden Henk Pellikaan. Der war Eigentümer der Baufirma, die nicht nur die Tilburger Halle, sondern auch die (inzwischen abgerissene) Eissporthalle an der Jafféstraße in Berlin baute, in der bis in die 1990er Jahre Bundesliga- und DEL-Spiele stattfanden. Also stieg das Eröffnungsspiel zwischen dem Berliner Schlittschuh Club und den Trappers – und endete in einer großen Schlägerei.
Mit der illustren Pellikaan-Halle ist der Aufstieg der Tilburg Trappers verbunden. Dort wurde der Verein von 1971 bis 1976 sechsmal in Folge niederländischer Meister. 1974 erreichten die Trappers gar das Halbfinale des IIHF-Europapokals, wo sie gegen TJ Tesla Pardubice ausschieden. In anderen Spielzeiten ging es auch mal gegen Füssen, die DEG und Weißwasser.
Unter dem Zusammenbruch der Textilindustrie in den 1970er und 1980er Jahren litt nicht nur die Stadt, es folgten auch magere Jahre für die Trappers. Erst in den 1990er Jahren begann die Wiedergeburt. Zunächst in der Stadt, später auch in den Sportvereinen. 1990 fand der erste Pink Monday auf dem Tilburger Messegelände statt, heute die größte Pride-Veranstaltung außerhalb Amsterdams. 1992 wurde das Museum De Pont eröffnet, und 1994 wurden die Trappers nach 18 langen Jahren endlich wieder Meister. Vier Jahre später wurden der neue Poptempel 013 und das IJssportcentrum Stappegoor eröffnet. Die Pellikaanhal war veraltet, eine Eishalle in einem Wohngebiet nicht mehr zeitgemäß. Damals war der Stappegoor noch ein neues Gewerbegebiet, heute ist er eine lebendige Gegend am Rande der Arbeiterviertel Korvel und Broekhoven mit einem großen Kino und dem Campus der Fontys Hogeschool. Neben der Eishockeyhalle befindet sich seit 2009 die Ireen-Wüst-Eisbahn, benannt nach der ersten Sportlerin, die bei fünf Olympischen Spielen in Folge Gold gewann. Innerhalb der 400-Meter-Bahn ist ein Eishockeyfeld, so dass die Trappers mehr Möglichkeiten haben. Seit 2019 ist die LocHal der Blickfang in Tilburg. Eine gigantische Halle, in der die niederländische Bahn früher Lokomotiven baute und reparierte – und die jetzt zu einer der schönsten Bibliotheken der Welt im ehemaligen Industriegebiet umgestaltet wurde.
Das Eissportzentrum Stappegoor gehört der Stadt. Eine moderne Halle mit ursprünglich 2500 Sitzplätzen. Sie atmet natürlich nicht die Atmosphäre der Siebziger, leidet nicht unter Betonfäule, man bekommt auch keine kalten Füße. In der neuen Halle wurden die Trappers noch fünfmal niederländischer Meister. Doch irgendwann war der Klub der heimischen Liga entwachsen. Es gab nur wenige Vereine, mit Ausnahme der friesischen Heerenveen Flyers war keiner in der Lage, gemeinsam etwas aufzubauen. 2014 gab es dann sogar Überlegungen der Füchse Duisburg, in die niederländische Liga zu wechseln. Aber es lief dann andersrum: Die Trappers kamen 2015 in die Oberliga Nord.
Auch bei den Flyers stand das im Raum, aber sie wagten den Schritt aus finanziellen Gründen nicht. So hatten die Trappers das Glück, Spitzenspieler aus Heerenveen und Nijmegen nach Tilburg zu locken. Mitch Bruijsten oder Levi Houkes. Zusammen mit einer Auswahl, die etwa zur Hälfte aus Spielern aus Tilburg direkt und der näheren Umgebung bestand wie Kilian van Gorp und Reno de Hondt, wurden die Trappers in den ersten drei Spielzeiten auf Anhieb Oberliga-Meister. Im Finale schlugen sie Bayreuth, Tölz und Deggendorf. Drei Vereine, die in die DEL 2 aufsteigen durften, was den Trappers als ausländischer Verein verwehrt blieb und bleibt. Coach Axel Kammerer hat gute Erinnerungen an Tilburg, spielte er gar zweimal gegen die Tilburger im Finale: 2017 mit Tölz und 2019 mit Landshut. „Da herrscht super Stimmung im Stadion.“ Und als er mit Landshut in Tilburg Oberligameister wurde:
„Das war ein Fest damals, wir haben bis 4 Uhr im Stadion gefeiert, sind dann heimgefahren, in Landshut war Maifest.“
Nach der Niederlage gegen den EV Landshut 2019 erreichten die Tilburger nicht mehr das Finale der Play-offs, was dann dazu führt, dass der Verein auch unter den anderen deutschen Klubs beliebter wurde. Und die eigenen Fans kommen ohnehin weiter in Scharen, das Stappegoor ist meist (fast) ausverkauft. Auf Wunsch des Fanklubs Tilburg Trappers Fanatic wurden in dessen Bereich Stehplätze errichtet und die Zuschauer können jetzt auch hinter den Banden auf der Nordseite stehen. Neben der großen digitalen Anzeigetafel, die in der Mitte über dem Eis Ergebnis, Zeit und Strafen anzeigt, gibt es auf der Südseite zwei große Videoleinwände, auf die Höhepunkte wiederholt werden. Eine Halle wo die Techno aus den Boxen dröhnt und in der 2024 vor das vierte Halbfinalspiel gegen Blue Devils Weiden ein DJ eine Techno-Show auflegte, um die Worte des Weidener Verteidigers Maximilian Kolb zu bestätigen:
“Ich habe selbst noch nicht in Tilburg gespielt, ich weiß aber auch von ehemaligen Mitspielern die auch in der Oberliga Nord unterwegs waren, daß Tilburg immer bekannt ist als die ‘Techno-Halle’ und daß Alle es immer richtig gut fanden dort zu spielen.”
Daher war es nur logisch, daß das Eröffnungsspiel der Oberliga Nord der Saison 2024/2025 zum ersten Mal im Ausland stattfand – im IJssportcentrum Stappegoor.
Dieses Jahr standen die Trappers in ihrer zehnten Oberliga-Saison erneut im Halbfinale. Und das mit Spielern, die – mit Ausnahme der Importe – Eishockey neben ihrem Beruf oder Studium spielen. Jedes Wochenende ein Spiel in Tilburg, eins in 140 (Duisburg) oder bis zu 660 Kilometern (Rostock) Entfernung. In den Play-offs können es zu den bayerischen Vereinen auch mal über 800 Kilometer sein. Aber Verein, Spieler und Fans tun es gerne. Denn durch den Wechsel nach Deutschland, durch neue Derbys gegen Duisburg, Essen und Herne oder gegen den neuen Erzrivalen Hannover Scorpions ist Stappegoor immer so gut wie ausverkauft. Mit einem Biergarten und dem eigenen „Trappers Weizen“, das 2018 anlässlich des 80-Jährigen von der Stadsbrouwerij 013 gebraut wurde, sind die Trappers nun ein stolzes Mitglied der deutschen Eishockey-Gemeinde.
In Tilburg gibt es dennoch den Wunsch nach einer neuen Eishalle für mehr Zuschauer, am besten in einem multifunktionalen Zentrum, das auch für Konzerte und andere Veranstaltungen geeignet ist. Vor etwa 15 Jahren schien das konkret zu werden, aber die Finanzkrise machte einen Strich durch die Rechnung. 2023 und 2024 warfen die Trappers erneut die Angel aus, um eine neue Halle innerhalb von fünf bis zehn Jahren zu realisieren. Bis dahin müssen die niederländischen und deutschen Eishockeyfans weiter den Partytempel Stappegoor besuchen.
| IJssportcentrum Stappegoor • Adresse Stappegoor 3 5022 DA Tilburg • Eröffnung 1998 • Eigentümer Stadt Tilburg • Kapazität Eishockey: 2.875 Plätze (davon 2.372 Sitzplätze) |
Dit artikel verscheen op 22 april 2025 in het Duitse ijshockeytijdschrift ‘Dump & Chase’.
Reacties op de post van dit artikel door Dump & Chase op hun Instagramaccount (https://www.instagram.com/p/DKR2euXIC5U/):
‘Das war wirklich ein ganz fanntastischer Artikel mit vielen kleinen Details, der einfach mal Lust auf einen Besuch macht.’
‘Von diesen “Magazin Serien” könntet ihr viel mehr machen. Mega geil.’
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